Erzählungen / Romane

Mord über sechzig

Die Statistik belegt, die meisten Morde über sechzig werden von Frauen begangen. Dabei ist es für sie gar nicht so leicht wie für Männer, die einfach nach einem schweren Gegenstand greifen können und „Peng“! Deshalb entwickelte die Autorin sechs fiktive Frauenfiguren, die kriminelle Kurzgeschichten schreiben.

Mit gnadenloser Fantasie und schwarzem Humor hat sie unterschiedliche Schreibstile genutzt, um spannende kriminelle Kurzgeschichten aufs Papier zu bringen. Jede hat einen anderen Ansatz: Totschlag, geplanter Mord oder Selbstmord, Sterbehilfe, Selbstjustiz – die verschiedensten „Techniken“ des Umbringens. Eine mörderisch bunte Palette aktueller Themen ist entstanden: Gewalt in der Ehe, Judenfeindlichkeit, Homosexualität, Ausländerhass, Einsamkeit im Alter, Behindertenprobleme, Internetbeziehungen im Alter, Perspektivlosigkeit, Integrationsschwierigkeiten, Fahrerflucht usw.

Beim Leser können die Erzählungen Verwirrung, Hass oder Wut, schmunzelndes Verständnis oder sogar Mitleid mit dem vermeintlichen Mörder oder der Mörderin wecken. Provokation zur Identifikation oder Selbstreflexion ist augenzwinkernd beabsichtigt. Sogar Kriminalpsychologen werden ihre Schwierigkeiten haben, ein eindeutiges Täterprofil zu erstellen.

Zusätzliche Spannung entsteht, weil fast jede der Stories ein Geheimnis birgt, das die Leser anregt, es aufzudecken.

Autor:

Barbara Boy

ISBN:

978-3-347-20879-7 (Paperback)

Verlag:

tredition, 2020

Goethes Doppelspiel

Ende 30 ist Goethe in Weimar scheinbar auf dem Höhepunkt seines Lebens. Doch hinter der berühmten Fassade fühlt er sich vom Hof ausgenutzt und leidet tierisch, weil er nicht dazu kommt, das zu tun, was er am meisten liebt und am besten kann – schreiben. Er möchte allen Zwängen entfliehen und endlich ein epochales Werk verfassen, von dem er schon lange träumt.

Bei seinen Recherchen und beim Studium alter Folianten hat er das historische Ritual für einen Zeitsprung entdeckt. Das hat ihn regelrecht gepuscht! Um seinen Wissensdrang zu befriedigen und gleichzeitig für eine begrenzte Zeit frei arbeiten zu können, will er das Experiment im Geheimen nachgestalten. Damit er unerkannt die nötigen Vorbereitungen treffen kann, lässt er zu Beginn seiner ersten Italienreise durch einen Doppelgänger seine dortige Anwesenheit vortäuschen. (Später wird er fassungslos feststellen, dass ihn mit diesem Menschen viel mehr als eine zufällige Ähnlichkeit verbindet.) Um die Illusion perfekt zu machen, lässt er den Mann unter dessen eigenem Familiennamen nach Italien reisen. Damit die falsche Identität möglichst lange nicht auffliegt, verbreitet Goethe selbst die Nachricht, dass er inkognito zu reisen wünscht. Schließlich möchte er auf keinen Fall sein naturwissenschaftliches Renommee beschädigen, neben dem Dichten seine zweite Herzensangelegenheit, in der als ernsthafter Forscher brillieren möchte. Falls sein wagemutiger Versuch scheitert, soll deshalb keiner erfahren, dass er uralten Lügen oder Legenden Glauben geschenkt hat.

Jedoch das Zeitsprung-Experiment gelingt und Goethe gelangt überraschend in unser heutiges Deutschland. In einem Krankenhaus in Halle an der Saale kommt er mit einer Gehirnerschütterung zu sich, glaubt aber, sich noch in seiner Zeit zu befinden. Mit der Situation völlig überfordert, trifft er auf eine moderne, hübsche junge Frau. Die will als Praktikantin die Wartezeit bis zum Beginn ihres Studiums im Frühjahr sinnvoll nutzen und arbeitet als Krankenschwester. Sie und der Klinikchef, ein ehrgeiziger Professor, sind seine ersten Ansprechpartner. Da sind Missverständnisse und Fettnäpfchen vorprogrammiert.

Nach anfänglichem Mistrauen beginnt die junge Frau, im Gegensatz zum Professor, seine Geschichte zu glauben und besucht mit ihm Weimar. Von dort aus fliehen sie zusammen vor dem Professor, der Goethe in eine geschlossene Anstalt einweisen will. Er möchte den Fall als wissenschaftliche Sensation ausschlachten.

Auf der Flucht versteckt sie ihn in verschiedenen deutschen und italienischen Orten, die er aus seiner Zeit kennt. Im Laufe der gemeinsamen Reise verliebt Goethe sich in die Frau, die seiner heimlichen großen Liebe vom Weimarer Hof verblüffend ähnelt.

Goethes Name ist überall gegenwärtig und vermittelt ihm, welch große Berühmtheit er sogar weltweit erlangt hat. Fasziniert stellt die junge Frau fest, wie interessiert er am technischen und gesellschaftlichen Fortschritt ist und mit welch rascher Auffassungsgabe er die moderne Zeit begreift, auch wenn er oft „Herrn Google“ um Hilfe bitten muss.

Sie lernt die ganze Bandbreite seines facettenreichen Charakters kennen. Begeisterungsfähigkeit, ernsthafte Wissbegier, kindliche Freude, Spaß an derben Scherzen, Stolz bis zur Egozentrik, unerschütterliches Selbstbewusstsein und eine umwerfende erotische Ausstrahlung. Sie verliebt sich ihrerseits in den beeindruckenden stattlichen Mann.

Unter turbulenten Umständen begleitet sie ihn deshalb ein halbes Jahr lang bis nach Neapel. Denn in der Nähe des Vesuvs muss er an einem ganz bestimmten Tag den Rücksprung in sein altes Leben versuchen. Denn dort ist er mit dem Doppelgänger verabredet, um seine Italienreise als er selbst fortzusetzen. Es quält sie die Frage, ob sie mit ihm springen soll – sie muss sich entscheiden.

All‘ ihre gemeinsamen Erlebnisse sind fiktiv, aber Orts- und Zeitangaben sowie die meisten historischen Persönlichkeiten sind mit Originalzitaten ergänzt, die belegen, dass die Geschichte so gewesen sein könnte. Eine ganz wichtige Rolle spielt meine neue, fantasievolle Auslegung des berühmten Tischbein-Gemäldes „Goethe in der Campagna“ im Städel-Museum Frankfurt am Main.

Durch eine intermittierende Rahmenhandlung wird der Handlungsverlauf verdichtet und die Spannung verstärkt. Darin spielt eine adlige Privatdetektivin, die Mutter der jungen Frau, eine entscheidende und sehr präsente Rolle - im gesamten Handlungsverlauf bis zum dramatischen Ende. Denn parallel zur Hauptstory recherchiert diese für einen Roman, an dem sie gerade mit ihrer Freundin schreibt. Und der hat dieselbe fantastische These zum Inhalt!

Autor:

Barbara Boy

ISBN:

978-3-7497-7342-8 (Paperback)

978-3-7497-7343-5 (Hardcover)

978-3-7497-7344-2 (e-book)

Verlag:

Verlag tradition GmbH, Hamburg, 2019

Ein heisser Fall

ein Politik-Krimi

Autor:

Abigail Padgett

Verlag:

Ullstein Taschenbuch, 2005

Eine Anthropologin auf dem Mars

Autor:

Oliver Sacks

Verlag:

Rowohl Taschenbuch Verlag, 2003

Der Tag, an dem mein Bein fortging

Autor:

Oliver Sacks

Verlag:

Rowohl Taschenbuch Verlag, 2003

Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte

Autor:

Oliver Sacks

Verlag:

Rowohl Taschenbuch Verlag, 2003

Die Glocken von Bicétre

Autor:

Georges Simenon

Verlag:

Diogenes Verlag

Der Verlust

Autor:

Siegfried Lenz

Verlag:

dtv Taschenbuch

© 2020 LVSB e.V. - letzte Änderung: 26.04.2021